Mozarteumorchester Salzburg / Die Saison 2018/19

April 16, 2018

12/04/18 Neuland, Hoffnung, Seelengemälde, Schicksal, Weltklang, Nachtfarben, Wetterleuchten, Schwermut: Einige Stichworte zu den Programmen des Mozarteumorchesters in den Sonntagsmatineen, im Donnerstagzyklus - und in einer neuen Kammermusik-Schiene in der kommenden Saison.

 

Von Paula L. Trautmann und Reinhard Kriechbaum

„Die im Vorjahr vorgenommene Charakterisierung der einzelnen Konzertprogramme mittels literarischer Zitatschnipsel haben wir in Form von expressiven Begriffen noch weiter verdichtet“, erklärte Orchesterdirektor Thomas Wolfram bei der Programmpräsentation im Orchesterhaus.

 

Aufgrund des Umbaus im Großen Festspielhaus in den Wintermonaten 2018/2019 finden die Sonntagsmatineen 3 und 4 ausnahmsweise im Haus für Mozart statt. Aber fürs Matineen-Highlight der kommenden Saison steht das Festspielhaus noch zur Verfügung: Am kommenden 25. August wäre Leonard Bernstein hundert Jahre alt geworden. Daran erinnernd, dirigiert Riccardo Minasi in der zweiten Sonntagsmatinee Bernsteins „Mass“, eine seiner imposantesten Kompositionen. „Rund zweihundert Künstler werden wir am 11. November auf dem Podium haben, vom Blasorchester über mehrere Chöre (des Musischen Gymnasiums) bis hin zum großen Symphonieorchester, wobei wir zahlreiche Salzburger Kräfte einbinden.“ Das Interesse wird erwartungsgemäß groß sein, drum wird es am 13. November abends eine weitere Aufführung geben. „Mass“, 1971 uraufgeführt, war übrigens ein Kompositionsauftrag der US-Präsidentenwitwe Jacqueline Kennedy.

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nteressant der Auftakt zur Matineen-Reihe: Ivor Bolton, jetzt Ehrendirigent des Mozarteumorchesters, hat ja alle Bruckner-Symphonien dirigiert und auf CD eingespielt, jetzt schickt er noch die von Bruckner selbst als „ungiltig“ erklärte, sogenannte „Nullte“ nach. Davor spielt die junge Julia Hagen Dvoraks Cellokonzert, und man verkauft das gemeinsam unter dem Motto „Neuland“.

 

Antony Walker, Musikdirektor der Pittsburgh Opera, dirigiert die dritte Sonntagsmatinee mit „Seelengemälden“ von Berlioz bis Tschaikowsky (Mit-Malerin in „Harold in Italien“ ist die Bratschistin Veronika Hagen). In der vierten Sonntagsmatinee beschwört Riccardo Minasi persönlich das „Schicksal“ herauf. Unter anderem, no na, mit der „Fünften“ von Beethoven. Solist im Zweiten Klavierkonzert von Chopin ist der Kanadier Jan Lisiecki. Und dann nochmal Minasi am Sonntag Vormittag: mit Mahlers fünfter Symphonie.

 

Ins erste Saisonkonzert (Donnerstag 20.9.) mischt Riccardo Minasi unter die Wiener Klassiker die C-Dur-Symphonie von Anton Eberl, einem Freund und Schüler Mozarts. Zu entdecken gibt es auch den deutsch-dänischen Komponisten Christoph Ernst Friedrich Weyse, einen Zeitgenossen Beethovens, dessen Symphonie  Nr. 1g-Moll im vierten Donnerstagskonzert vorgestellt wird. Um Vertreter aus allen drei Wiener Schulen geht es im fünften Donnerstagskonzert: Haydn, Beethoven, Anton von Webern und HK Grubers Kultstück „Frankenstein!!“ mit dem Komponisten als Rezitator.

 

Unter dem Motto „Nachtfarben“ dirigiert Leopold Hager die Sommernachtstraum-Ouvertüre von Mendelssohn, die „Verklärte Nacht“ von Schönberg und – mit der Sopranistin Juliane Banse –  Les nuits d’été von Berlioz. Trevor Pinnock, einst Erster Gastdirigent des Mozarteumorchesters, kommt mit der Geigensolistin Vilde Frang. Neue Dirigenten im Donnerstag-Zyklus: der Brite Jonathan Cohen und der Amerikaner Joshua Weilerstein, der künstlerische Leiter des Orchestre de Chambre de Lausanne.

 

Ein neue Kammerkonzertreihe im Orchesterhaus heißt „Viertel nach acht“. Dazu Thomas Wolfram augenzwinkernd: „Die beste Sendezeit im Fernsehen, aber wir sind besser.“ Rob van de Laar, Hornist im Orchester hatte die Idee, „ dass anwesende Musiker nach dem Konzert mit Musikern aus den Orchestern zusammen Musik machen können“, sprich: man kann auch mit Instrument anrücken. „Wir hoffen, dass es sich rumspricht, dass das Konzert nicht mit dem letzten Ton verklungen ist“, sagt die Dramaturgin Dorothea Bieler. „Es können schöne Momente entstehen und es gibt eine besondere Atmosphäre“, hofft Rob van de Laar.

 

Das Mozarteumorchester auf Gastspielreisen: „Ganz besonders viele Anfragen kommen aus China, die wir aufgrund unserer Verpflichtungen gar nicht bedienen können“, erklärt Thomas Wolfram. Unter der Leitung von John Storgård gastiert das Orchester beim 54. Bratislavaer Musikfestival, im April 2019 geht es mit Riccardo Minasi und den Pianisten Rafał Blechacz und Jan Lisiecki auf Deutschland-Tournee. Sogar ein Termin in der Hamburger Elbphilharmonie ist angesagt.

 

Stichwort Musikerziehung: In Kooperation mit dem Spielzeugmuseum Salzburg bietet man im Frühjahr in einer Aktionswoche für die jüngsten Konzertbesucher Workshops rund um das Thema „Instrumente“ an. „Musikalischer Führerschein“ nennt sich ein neues Format, bei dem sich Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse Volksschule durch kontinuierlichen Kontakt mit einzelnen Musikerinnen und Musikern des Orchesters, durch Konzertbesuche und alternative Hörangebote zu „Spezialisten“ der klassischen Musik entwickeln sollen. Ebenfalls neu: Mit „Kantinen-Konzerten“ in kammermusikalischer Besetzung will man den Kantinen Salzburgs einen Besuch abstatten. „Mittels eines kurzweiligen und moderierten Live-Konzerts während der Mittagspause sollen bei den Zuhörern mögliche unbewusste Barrieren in Bezug auf die klassische Musik abgebaut werden.“

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